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Die Verdauung optimieren

24. April 2022 vonEsther Neumann undMartin Neumann

Bei den meisten Menschen sträuben sich die Haare, wenn sie das Wort Chemie hören. Sei es wegen der vielen negativen Medienberichte über Chemieunfälle oder wegen des langweiligen, kaum verständlichen Chemieunterrichts, den sie aktiv zu verdrängen suchen. Dabei ist Chemie äußerst spannend. Und in unserem Körper läuft vom Mund bis zum After so viel Chemie ab!

Die Verdauung - Problemlos und optimiert

Ohne chemische Vorgänge könnten wir gar nicht existieren. Und das Tollste ist, es läuft auch ohne Programmierung unsererseits ab. Allerdings können wir die Verdauung trotzdem unterstützen.

Schauen wir unseren Verdauungstrakt einmal an. Vom Mund bis zum After ist er, vereinfacht gesagt, ein Schlauch mit verschieden weiten Abschnitten. In der Struktur sind sich alle Abschnitte ähnlich. Im Feinbau weisen sie aber erhebliche Unterschiede auf. Und durch die Zugabe von abgestimmten Sekreten erfüllen sie ganz spezielle Funktionen. Durch die Verdauung werden die in der Nahrung enthaltenen Nährstoffe aufgeschlossen. Sie können dann durch die Darmwand aufgenommen werden. Mit dem Blutstrom werden sie zu den verschiedensten Organen transportiert, wo sie ihre wichtigen Aufgaben erfüllen und Energie erzeugen.

Zu den Verdauungsorganen zählen die Mundhöhle mit Gebiss, die Zunge und die Speicheldrüsen, der Rachen, die Speiseröhre, der Magen, der Darm, die Leber mit Gallenwegen und die Bauchspeicheldrüse.

Verdauung beginnt im Mund

Wenn wir einen Biss von unserer Mahlzeit zu uns nehmen, dann beginnt die Verdauung gleich im Mund. Die Zähne arbeiten daran, das Essen zu zerkleinern und für die Verdauung vorzubereiten. Gleichzeitig wird der entstehende Speisebrei eingespeichelt und die im Speichel erhaltene Alfa-Amylase beginnt den Aufspaltungsprozess der Kohlenhydrate. Wenn wir ein Stück Brot lange genug kauen wird es anfangen süß zu schmecken, weil die langkettigen Stärkemoleküle in Glukose aufgespaltet werden. Das liefert Energie für unserem Körper.

Die Speicheldrüsen

Wenn wir aber unser Essen hinunterwürgen und noch mit einem Soda nachspülen, dann finden diese Prozesse nicht statt. Leider hat der Magen keine Zähne um die unverrichtete Arbeit mit derselben Effizienz zu bewältigen. Wer sich das Kauen noch nicht zur Gewohnheit gemacht hat, sollte mal versuchen jeden Bissen 20-30 mal zu kauen. Für eine Zeit kann man da ruhig mitzählen bis das gründliche Kauen zur zweiten Natur geworden ist.

Entleerungszeiten

Die Verweildauer in den einzelnen Abschnitten ist individuell verschieden und hängt stark von der Nahrungszusammensetzung ab. Die Speiseröhre selbst ist etwa 25 cm lang. Es dauert ungefähr 10 Sekunden bis ein Bissen durch diesen Schlauch gerutscht ist und im Magen ankommt. Hier bleibt die Nahrung im Durchschnitt 1-4 Stunden. Die Verweildauer von Kohlenhydrat ist kürzer als die von Eiweiß. Fettreiche Speisen bleiben am längsten im Magen; ein fetter Braten bis zu acht, und Ölsardinen bis zu neun Stunden. Deswegen sollte man mit Fett in der Ernährung eher sparsam umgehen.

Es ist gut wenn wir der Verdauung in der Nacht eine Ruhepause gönnen. Deswegen sollte die letzte Mahlzeit nicht viel später als 3 Stunden vor dem Schlafengehen eingenommen werden und leicht verdaulich sein. Man sollte die leichtverdaulichen Kohlehydrate bevorzugen und Fette soweit wie möglich meiden. Eine Frucht mit einem Toastbrot oder einem Zwieback wäre eine optimale Option für das Abendessen.

Die Entleerungszeiten des Dünndarms ab Nahrungsaufnahme beträgt etwa 7-9, die des Dickdarms 25-30 Stunden und die des Mastdarms mitunter 30-120 Stunden. Jetzt verstehen wir auch, warum der häufigste Darmkrebs den unteren Teil des Darmes befällt. Dort bleibt der Speisebrei am längsten liegen. Krebserregende Stoffe haben am längsten Zeit, auf den Darm einzuwirken. Also sollten wir besser krebserregende Substanzen meiden. Das wären z.B. polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe in gegrillten Fleisch, Meeresfrüchten und der Wurst sowie Schwermetalle, die sich gerne in tierischen Produkten anreichern. Fische sind auch oft mit Quecksilber belastet.

Der Magen

Der Magen liegt im linken Oberbauch. Er dient als Vorratsbehälter und Zerkleinerer. Pro Tag produziert er bis zu 3 Liter Magensaft. Dieser setzt sich aus Schleim, Salzsäure (HCl) Bikarbonat (HCO3), eiweißspaltenden Enzymen und dem Intrinsic-Faktor zusammen.

Die Schleime und das Bikarbonat schützen die Magenwand vor der sehr starken Salzsäure. Die maximale HCl-Sekretion würde etwa einen pH-Wert von 1 ergeben, der aber durch den Speisebrei auf pH 1,8-4 abgepuffert wird. Der niedere pH-Wert tötet die überwiegende Mehrzahl aller Bakterien ab. Der Zwölffingerdarm ist also sehr keimarm und übrigens basisch und nicht sauer wie der Magen. Wenn wir allerdings Flüssigkeiten während der Mahlzeiten zu sich nehmen, dann verdünnen wir die Magensäure und verzögern die Verdauungsarbeit, bis der Magen wieder einen optimalen ph-Wert generieren kann. Sehr heiße oder eiskalte Getränke verzögern die Verdauung noch mehr, weil der Mageninhalt erst einmal akklimatisiert werden muss.

Der Intrinsic-Faktor wird von der Magenwand abgesondert und ist für die Aufnahme und den Transport von Vitamin B12 notwendig. Fehlt dieser Faktor, kann gar kein Vitamin B12 aufgenommen werden. Oft kommt eine Mangelerscheinung in Personen mit Gastritis oder älteren Leuten vor. Ein regelmäßiger B12 Test wäre deswegen empfehlenswert.

Feste Nahrung bleibt so lange im Magen, bis sie in Teilchen von etwa 0,3 mm Durchmesser zerkleinert ist. Das geschieht durch peristaltische Wellen, die von mehreren Muskelschichten über den ganzen Magen produziert werden. Sie sind im untersten Teil des Magens besonders stark. Der Speisebrei wird vor- und zurückgeschoben. Dabei wird die Nahrung zermahlen, mit dem Magensaft durchmischt, und Fette werden fein verteilt. Hat man das Essen gut durchgekaut, dann nimmt man den Magen eine beträchtliche Arbeit ab.

Die verschiedenen Muskelschichten des Magens

Im unteren Teil des Magens ist der Speisebrei schon sehr fein und dünn, darüber sind die gröberen Teile geschichtet. Beim Hin- und Herbewegen wird immer ein Teil des gröberen Breis mitgerissen und weiter zerkleinert. Der feine Brei, Chymus genannt, kann dann über den Pförtner in den Zwölffingerdarm abfließen. Der Speisebrei kann nur in dem Maß an den Zwölffingerdarm abgegeben werden, in dem dieser ihn weiterverarbeiten kann. Dazu gibt es Messstellen am Magenausgang, die die genaue Zusammensetzung kontrollieren.

Entleerung des Magens

Die Arbeit und Entleerung des Magens wird durch viele Faktoren gesteuert. Es wirken verschiedene Hormone und Botenstoffe mit. Dauernd wird gemessen und verglichen. Der 10. Gehirnnerv spielt eine wichtige Rolle. Er regt die Magendrüsen an und ist für die Magenbewegung zuständig. Aber auch die Psyche spielt eine Rolle. Wir erinnern uns vielleicht an die Auswirkungen von Stress vor einer Prüfung! Es ist immer gut bei den Mahlzeiten eine entspannte Atmosphäre zu schaffen.

Der Pförtner ist meistens leicht geöffnet, sodass Flüssigkeit und der dünne Chymus frei abfließen können. Der Pförtner wird wieder geschlossen, wenn gröbere Nahrungsteile kommen. Unverdauliches wie Knochen, Faserstoffe und Fremdkörper verlassen den Magen während der Verdauungsphase nicht. Erst in der anschließenden Ruhephase laufen nach einer inneren Uhr spezielle Kontraktionswellen über Magen und Darm, wobei Unverdauliches und Verdauungssekrete entleert werden. Wir hören oft das Rumoren des Magens. Es macht also durchaus Sinn, wenn wir nur alle 5 Stunden etwas essen und zwischendurch dem Verdauungstrakt diese Ruhephase gönnen. 2 bis 3 Mahlzeiten am Tag zu regelmäßigen Uhrzeiten sind ideal.

Wenn wir dauernd am Naschen sind, wird oben immer wieder grober Speisebrei nachgefüllt. Der Magen wird nie fertig, alles zum feinen Chymus zu verarbeiten. So kann es passieren, dass vom Frühstücksbrot dann am Abend immer noch etwas im Magen herumlümmeln muss.

Unser Körper – ein Wunderwerk

Wir können lange nicht auf alle Einzelheiten, die im Verdauungstrakt ablaufen, eingehen. Wir müssten sonst ein ganzes Buch schreiben. Das Wenige hat aber bereits gereicht, um zu erkennen, welches Wunderwerk wir in unserem Körper vor uns haben. Helfen wir ihm, soweit es an uns liegt, bei seiner vielfältigen Arbeit! Das können wir durch einen vernünftigen, gesunden Lebensstil. Er wird es uns mit Gesundheit danken. Und wir danken ihm für seine großartigen Leistungen.

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Kategorie: Der Körper, Ernährung, Verdauungssystem

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