Sie wächst und wächst und wächst, sogar ohne Rücksicht auf die Jahreszeiten. Besonders in milden Wintern kann man immer wieder Vogelmiere ernten. Überall wo man einen Garten oder einen Acker, einen Weinberg oder Baumscheiben anlegt, begegnet man der Vogelmiere. Sie begnügt sich aber auch mit Schuttplätzen, wächst an Wegrändern, auf frischen Brachen und besonders gerne in der Nähe vom Kompost. Sie ist eine Pflanze, die die Menschheit schon sehr lange begleitet. Man benennt sie daher auch als Archäophyt.

Botanisches
Die Vogelmiere ist ein am Boden kriechendes ein- oder zweijähriges Kraut von saftig grüner Farbe. Sie bildet lockere, stark verzweigte Rasen und ist bei den Gärtner äusserst unbeliebt, stellt sie doch sehr bald eine Konkurrenzpflanze für die Nutzpflanzen dar. Die runden Stängel wachsen aus einer feinen Wurzel heraus. Die ovalen, zugespitzten Blätter sitzen gegenständig an den fein behaarten Stängeln. Zieht man sie vorsichtig auseinander, kann man lange Fäden aus ihnen hervorziehen. Die Vogelmiere blüht das ganze Jahr hindurch, sogar im Winter, wenn es nicht allzu kalt ist. Die winzigen Blütenblätter sind schneeweiß mit rötlichen Staubgefäßen. Wenn man nach dieser Beschreibung immer noch nicht sicher ist, ob man eine Vogelmiere vor sich hat, wird sie gekostet. Schmeckt sie deutlich nach jungen Maiskolben, handelt es sich um die Vogelmiere. Man kann sie höchstens mit dem Ackergauchheil verwechseln, der an ähnlichen Standorten wächst, aber rötlich oder blau blüht, oder mit Ehrenpreis, der blaue Blüten hat und nicht aromatisch schmeckt. Beide Pflanzen sind ungefährlich, werden aber nicht als Wildgemüse verwendet. Vogelmiere hat winzig kleine, kugelrunde, sehr zahlreiche Samen und versamt sehr leicht. Das ist ihre und unsere Chance, verteilt sie sich doch dadurch sehr weit.
Auch Hühner und Vögel schätzen Vogelmiere sehr. Daher kommt wohl ihr Name. Für Kanarienvögel und Wellensittiche stellt sie ein wertvolles Ergänzungsfutter dar. Andere Namen sind Hühnerdarm, Vogelkraut, Alsine, Meirich, Mausdarm, Hühnersepp.

Gesundheitliches
Die wenigsten Leute wissen, was für ein wertvolles Wildgemüse in der Vogelmiere verborgen ist. Die Gärtner unter ihnen würden sie sonst nicht geringschätzig auf den Kompost werfen, sondern in die Küche tragen. 150 Gramm Vogelmiere liefern den ganzen Tagesbedarf an Eisen, Kalium und Vitamin C. Zusätzlich versorgt uns dieses Unkraut mit Calcium, Magnesium und Carotinoiden. Pfarrer Kneipp hat die Pflanze wegen ihrer schleimlösenden Wirkung in die Heilkunde eingeführt. In der Volksmedizin wird das ganze Kraut im Frühling gesammelt, getrocknet und als Tee gegen Husten getrunken. Mischt man ihm noch gleiche Teile Spitzwegerichblätter hinzu und trinkt diesen Tee mit Honig und Zitronensaft, gibt das einen bewährten Hustentee.
Verwendung in der Küche
Haupterntezeit ist der Frühling. Da schätzt man die Vogelmiere besonders, weil im Garten noch nicht viel geerntet werden kann. In milden Wintern oder an ganz geschützten Stellen findet man sie aber auch wenn es kalt ist. In der Küche wird es als frisches Kraut verwendet. Einfrieren lohnt sich nicht, da sie ja das ganze Jahr gefunden wird. Wie alle Wildgemüse hält sie sich einige Tage im Kühlschrank in einer verschlossenen Box. Wurzeln, gelbe Stängel und Blätter werden entfernt. Blüten können mitverwendet werden. Wegen der Fäden in den Stängeln, wird das Kraut zerschnitten, oder man zupft nur kurze Triebe von der Pflanze.
Sowie von der Vogelmiere könnte man von vielen anderen (Un)kräutern einen Steckbrief schreiben. Fast alle sind essbar, man muss nur wissen welche auch kulinarisch etwas darstellen.

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