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Wenn die Knochen brüchig werden

12. Juli 2026 vonEsther Neumann

Osteoporose oder Knochenschwund wurde bis vor Kurzem als Frauenkrankheit angesehen. In letzter Zeit erkranken auch immer mehr Männer. Eine von drei Frauen oder einer von fünf Männern weltweit leiden an dieser Volkskrankheit. Wie ernst Osteoporose zu nehmen ist, zeigt die Tatsache, dass die WHO die ersten zehn Jahre des neuen Jahrtausends als Dekade der Knochengesundheit gewählt hat.

Wenn die Knochen brüchig werden

Vor allem in Industrieländern stellt Osteoporose ein immer größer werdendes gesundheitliches Problem dar. Diese Volkskrankheit verursacht auch erhebliche Kosten für unser Gesundheitswesen.

Die Knochen sind ein Wunderwerk der Schöpfung. Trotz der enormen Beanspruchung schaffen sie es, ein Leben lang durch gleichzeitigen Auf- und Abbau der Knochensubstanz ein gesundes Skelett zu erhalten. Mikrorisse werden laufend repariert. Diese ständige Selbstreparatur findet ihren Höhepunkt in der Selbstheilung von Knochenbrüchen. In den Knochen sind hauptsächlich Kalzium, Phosphat und Magnesium gespeichert. Diese Mineralien spielen auch in vielen anderen Stoffwechselgeschehen eine wichtige Rolle. Wird über die Ernährung zu wenig davon zugeführt, wird auf das Mineraldepot im Knochen zurückgegriffen. Werden die Reserven in den Knochen wegen falscher Ernährungsweise und Bewegungsarmut nie wieder aufgefüllt, schwindet die Knochenmasse.

Andererseits ist Osteoporose typischerweise mit einem höheren Lebensalter verknüpft. Eine andere Sichtweise stellt sie als Erkrankung der Jugendzeit dar, weil risikoreiche Lebensgewohnheiten wie eine unausgewogene Ernährung und Bewegungsmangel bereits in jungen Jahren dazu beitragen, dass die Krankheit ausbricht. Sie entwickelt sich unbemerkt. Ohne Schmerzen zu verursachen, schwindet die Knochenmasse. Die schwammförmigen Knochen verlieren ihre Strukturen. Die feinen Knochenbälkchen lösen sich langsam auf. Die Gefahr eines Knochenbruches nimmt zu. Osteoporose kommt vom griechischen „osteon“, das so viel wie Knochen heißt, und „poron“, das mit Öffnung, Loch oder Pore übersetzt werden kann.

Es gibt Krankheiten oder Medikamente, die die Entstehung einer Osteoporose fördern. Diabetes mellitus, Hyperthyreose, Hypogonadismus, rheumatische Erkrankungen und Alkoholmissbrauch gehören dazu. Bei den Medikamenten hat man unter anderem einen Zusammenhang mit Heparin, Warfarin, Glukokortikoiden, Cyclosporinen, Protonenpumpenhemmern, Antidepressiva (insbesondere SSRI), Antiepileptika, SGLT2-Inhibitoren, Aromatasehemmer oder Schilddrüsenhormonen gefunden.

Mehrere Packungen mit Medikamenten, auf einem Tisch ausgebreitet

Bei den meisten Personen mit Osteoporose sind es aber keine Krankheiten, die für den Knochenschwund verantwortlich sind. Der Verlust ist altersbedingt oder bei Frauen von der Menopause abhängig. Während der ersten 10 Jahre nach der Menopause ist der Verlust besonders groß. Dann pendelt er sich bei altersbedingtem Knochenabbau ein.

Knochen brauchen jeden Tag ein bestimmtes Maß an Belastung. Bewegung stärkt nicht nur Muskeln, sondern auch Knochen. Die maximale Spitzenknochenmasse, in Englisch „Peak Bone Mass“, wird im Alter von 25 – 35 Jahren aufgebaut. Man kann sich noch so gesund ernähren, ohne Bewegung und Belastung gehen die Mineralstoffe kaum in die Knochen hinein. Je mehr der Knochen belastet wird, desto stärker wird der Knochenaufbau positiv beeinflusst. Darum sind Sportarten wie Laufen, Schifahren, Langlaufen, Springschnurspringen, Tennis- und Federball, Treppensteigen, Ballspiele, Wandern und Bergwandern sehr geeignet. Sportmediziner sprechen vom „Medikament Bewegung“. Auch im hohen Alter sollte man wenigstens noch wandern oder zügig spazieren gehen, wann immer das Wetter und die Umstände es erlauben. In manchen Orten wird auch eine Osteoporosegymnastik angeboten. Körperliche Aktivität und Gymnastik senken auch das Sturzrisiko, und zwar durch Verbesserung des Gleichgewichts und des Erhaltes der Muskelmasse.

Bewegung im Freien und vor allem im Sonnenlicht bringt besonders starke Knochen. Unter UV-B-Bestrahlung bildet die Haut mit Hilfe von Cholesterin das Provitamin D3. In Leber und Niere wird es ins aktive Vitamin umgewandelt. Das Vitamin ist eigentlich ein Hormon mit Vitamincharakter, da es der Körper selber bilden kann. Die Zuführung von Vitamin D über die Nahrung ist meist viel zu gering, kommt es doch fast nur in Fisch, Innereien und Ei vor. Darum ist es wichtig, jede Gelegenheit zum vernünftigen Sonnenbaden zu nutzen. Viele Osteoporose-Patienten haben einen Vitamin D-Mangel, weil sie ausgesprochene Stubenhocker sind und die Sonne meiden. Gerade auch ältere Menschen sollten immer wieder angehalten werden, sich im Freien zu bewegen.

Ein Mann läuft am Strand

Auch andere Hormone sind am Knochenstoffwechsel beteiligt. Das Parathormon, das in der Nebenschilddrüse gebildet wird, stimuliert die Osteoblasten, die Zellen, die die Knochen aufbauen, in ihrer Aktivität. Gleichzeitig hemmen sie die Osteoklasten, die Zellen, die die Knochen abbauen. Östrogene hemmen die Osteoklasten und verbessern die Kalziumaufnahme. Auch Testosteron, männliche Hormone, sind für den Knochenaufbau wichtig. Männer haben auf Grund der höheren Knochenmasse und der andauernden Produktion von Testosteron weniger Osteoporose. Bei Sonnenbestrahlung wird die Ausschüttung von Testosteron gesteigert. Viele andere Hormone spielen noch eine Rolle für den Knochenaufbau. Das Einnehmen von Vitamin D-Präparaten sollte wohldosierte Sonnenbäder nicht ersetzen.

Gemüse und Blattsalate, Samen und Nüsse sind der Milch hinsichtlich der Kalziumzufuhr überlegen. Obwohl Milchprodukte bedeutende Kalziumlieferanten sind, hängt die Osteoporosevorbeugung nicht nur vom Konsum von Milch und ihren Produkten ab. Die Osteoporosehäufigkeit ist in Ländern, wo viel Milch getrunken wird, eher höher als in Ländern, wo kaum Milch konsumiert wird, dafür aber alle anderen Risikofaktoren wie Bewegungsmangel, Lichtmangel und Genussmittel wie Kaffee, Alkohol und Rauchen wegfallen. Milchprodukte enthalten viel Eiweiß. Meist wird noch viel Fleisch gegessen. Eine hohe tierische Proteinaufnahme erhöht aber auch die Kalziumausscheidung mit dem Urin. Das Kalzium gelangt dann gar nicht zur Genüge in die Knochen.

Cola und Limonaden bewirken durch den hohen Phosphatgehalt ebenfalls Kalziumverluste. Es wäre viel besser, reines Wasser oder kalziumhaltige Mineralwässer zu trinken.

In Blattgemüsen und Kohl finden wir das Vitamin K. Dieses Vitamin ist für die Blutgerinnung bedeutend. Nach neuesten Forschungen spielt es aber auch bei der Neubildung von Knochen eine wichtige Rolle.

Die Vorbeugung der Osteoporose sollte sinnvollerweise bereits im Kindes- und Jugendalter beginnen. Hier werden die Grundlagen für die spätere Spitzenknochenmasse gelegt.

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Kategorie: Krankheiten

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